Ein Leben mit Perücke - worauf muss ich achten?

Ein Leben mit Perücke – worauf muss ich achten?

Mit Perücke leben

Von den in Deutschland lebenden Männern sind ganze 40 Prozent von Haarausfall betroffen, bei den Frauen sind es auch immer noch 20 Prozent. Darunter sind rund eine Million Personen, die beispielsweise an der Krankheit Alopecia areata, also dem kreisrunden Haarausfall leiden. Diese gehört zu den Autoimmunerkrankungen, welche die gesamte Behaarung des Kopfes in nur wenigen Wochen komplett verschwinden lassen kann. Für die Betroffenen ein riesiger Schock und eine große Umstellung. Doch es gibt auch zahlreiche weitere Krankheiten, die eine Haarperücke nötig machen. Auch während einer Chemotherapie bei Krebs fallen in der Regel die Haare des Körpers aus, sodass ein Haarersatz nötig wird. Dies ist immer eine Ausnahmesituation, für die Betroffene Person selbst, ihre Kinder und ihren Partner. Wenn der oder die Betroffene sich nicht mehr wohlfühlen in ihrer Haut, kann dies für die Beziehung zu einer echten Zerreissprobe werden. Daher ist es wichtig, dass ein toller Haarersatz gewählt wird, mit dem der Alltag mit Freude bestritten werden kann. Hierbei gibt es allerdings ein paar Dinge zu beachten. Der folgende Artikel klärt darüber auf, welche Dinge das sind.

Haarersatz und Haarperücken

Eine Perücke aus Echthaar ist besonders gut für Frauen geeignet, die es lieben, ihre Haare lang zu tragen. Wer sich mehr für die kurze Variante begeistern kann, kann ohne Probleme auch auf eine Haarperücke aus synthetischem Material zurückgreifen. In der Regel sind diese Varianten der Haarperücken an ihren Seiten sehr fein hergestellt, sodass niemand den Ansatz der Perücke wirklich erkennen kann. Durch das feine Gewebe schimmert die Kopfhaut durch. Durch den Filmansatz lässt sich das Zweithaar für ungeübte Blicke kaum von einem echten Haaransatz unterscheiden.

Die richtige Pflege der Haarperücke

Ein Haarteil verträgt eine kräftige Massage während des Waschens in der Regel nicht gut und es verfilzt. Besser für Perücken ist ein ruhiges und entspannendes Bad, das ganz ohne Auswringen und Scheuern auskommt.

– Beim Schlafen

Auch im Schlaf können die Haarperücken unter Umständen ganz schön leiden. Denn durch den Schlaf mit Perücke wird der Haarersatz sehr stark belastet. Daher sollte wirklich nur in absoluten Ausnahmefällen mit der Haarperücke ins Bett gegangen werden.

– Scharfkantige Kämme

Eine Perücke wird in der Regel in feiner und aufwendiger Handarbeit hergestellt. Clips, Klammern und einfache Bürsten von schlechter Qualität können diese schneller zerstören, als mancher vielleicht denkt. Daher sollten nur speziell auf Perücken abgestimmte Bürsten verwendet werden.

– Die Sonne

Scheint die Sonne sehr kräftig vom Himmel, wie beispielsweise bei einem Urlaub im Süden, können sowohl synthetische Haare als auch Echthaare ausbleiben. Hier ist es empfehlenswert, sich für die Arbeit im Garten oder das Entspannen am Strand eine zweite, günstigere Perücke zuzulegen oder zu einem älteren Modell zu greifen.

– Der Schweiß

Beim Schwitzen gibt der Mensch Salzkristalle über seinen Schweiß ab. Diese Kristalle können an den sensiblen Knüpfpunkten der Haarperücke scheuern und diese nach einer Zeit sogar Komplett auflösen. Als Folge wird der Haarersatz einige Haare verlieren.

– Die Wärme

Unabhängig, ob es das Hineinschauen in den heißen Backofen oder ein knisterndes Feuer im Kamin ist, starke Hitze ist für Haarperücken, die aus synthetischem Haar gefertigt sind, absolutes Gift. Hier kann auch ein zu heißer Haartrockner oder das Feuer am Grill schon ausreichen. Denn ab einer Temperatur von rund 20 Grad verändern sich die feinen Haarfasern. Übersteigt die Temperatur sogar die 120 Grad, beginnen sich die synthetischen Haare sogar komplett aufzulösen.

So sitzt die Perücke richtig:

Damit die Haarperücke wirklich richtig und gut Sitzen kann, muss die Passform exakt stimmen. Denn, die Größe und Form von Köpfen ist sehr individuell. Damit die Haarperücke einen guten Halt hat, sollte darauf Wert gelegt werden, dass die in den Tampeln der Seiten integrierten Haltestäbchen nicht beim Tragen verbogen werden. Hier spielt auch das richtige Anziehen eine Rolle. Dafür sollten die Daumen an den Verstellpunkten im unteren Bereich der Perücke platziert werden. Anschließend wird der Haarersatz von der vorderen Kante an in die Mitte der Stirn gelegt. Dann wird sie, wie eine Wollmütze, nach hinten über den Kopf geschoben. Wichtig ist, dass die Haarperücke am Kopf eng anliegt und sich unterhalb des Haarersatzes kein Luftraum mehr befindet. Ist dies vollbracht, sollte die korrekte Sitzposition in fünf Stets ermittelt beziehungsweise erreicht werden:

  1. Den Haarersatz von der Stirn bis zum Ansatz der eigenen Haare herausziehen. Das sind circa fünf Zentimeter oberhalb der Wurzel der Nase über den Augenbrauen.
  2. Kontrollieren, ob die seitlichen Kanten auf gleicher Höhe liegen
  3. Den Haarersatz nach hinten in Richtung des unteren Hinterkopfes ziehen und entstehende Falten eliminieren.
  4. Die Ohren frei lassen und falls gewünscht hinter oder vor den Ohren einzelne Haarsträhnen herausziehen und platzieren.
  5. Nochmalige Kontrolle, ob die seitlichen Eckpunkte auf der gleichen Hohe sind. Ebenfalls kontrollieren, dass die Haltestäbchen an dieser Stelle nicht verbogen werden.

Der Umgang mit der Haarperücke im Alltag:

– Zum Bearbeiten der Perücke nur passende Bürsten und Kämme benutzen

– Beim Frisieren sollte die Perücke immer mit der Hand fixiert werden

– Nicht in die entgegen gesetzte Richtung des Filmansatzes beziehungsweise der Lacefront bürsten

– Keine Perfektion: Die Perücke sollte locker und mit ein paar natürlich wirkenden Unstimmigkeiten gestylt werden

– Zum Auflockern im Laufe des Tages die Hände befeuchten und damit den Haarersatz auflockern

Natürlichkeit spielt eine große Rolle

Im Alltag sollte immer mal wieder kontrolliert werden, ob die Haarperücke wirklich noch richtig sitzt. Bei Bedarf kann diese dann neu justiert beziehungsweise ein falscher Sitz korrigiert werden. Besonders häufig verrutscht die Haarperücke im Winter durch dicke Schals oder Pulloverkragen und die runde Form des Kopfes. Wichtig ist auch, dass die Brille, falls eine getragen wird, richtig und stimmig zur Haarperücke sitzt. Wie bereits erwähnt, sollte die Perücke nachts im Bett nicht getragen werden, da sie dadurch Schaden nehmen kann. Das gleiche gilt auch für das Tragen einer Mütze im Winter. Hier sollte besser auf einen locker sitzenden Schal oder eine Jacke mit Kapuze zurückgegriffen werden. Hitze und Sonneneinstrahlung können dem Haarersatz ebenfalls Schäden zufügen.

Die Haarperücke muss in regelmäßigen Abständen gewaschen und gepflegt werden. Wie oft das wirklich nötig ist, hängt davon ab, wie oft sie getragen wird und wie sie behandelt wird. Es lohnt sich immer, die Anleitung zur Pflege des jeweiligen Herstellers zu beachten. Besteht die Haarperücke aus Synthetik, sollten die Haare, wenn sie nass sind, niemals gekämmt oder geföhnt werden.

Die richtige Pflege für synthetischen Haarersatz

Für die richtige Pflege von Synthetikhaar sollte in eine Sprühflasche etwas Pflegebalsam gefüllt werden, die mit circa 3/4 Wasser gefüllt wird. Diese Mischung sollte jeden Tag vor dem Frisieren der Haare aufgesprüht werden. An zwei Tagen in der Woche sollte diese Prozedur zusätzlich mit etwas Conditioner ausgeführt werden.

Weitere Tipps und Infos zur Perückenpflege gibt es hier.

Um eine Haarwäsche vorzunehmen sollten zwischen zwei und drei Litern Wasser, welches lauwarm ist, mit etwas Shampoo gemischt werden. Dann wird die Haarperücke auf links gezogen und verbleibt eine viertel Stunde in dem Shampoobad. Keinesfalls sollte der Haarersatz ausgewrungen oder gerubbelt werden, denn das Haarshampoo wirkt selbstreinigend und der Schmuck wird ganz ohne Krafteinwirkung eliminiert. Danach wird der Haarersatz in einem neuen Wasserbad mehrmals ausgespült. Unter fließendes Wasser sollte dieser dabei keinesfalls gehalten werden. Ist die Verschmutzung sehr stark, kann das Waschen noch einmal wiederholt werden, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wurde.

Um die Haarperücke noch weiter zu pflegen, sollten zwischen zwei und drei Litern Wasser mit pflegendem Balsam vermischt werden und die Haarperücke hier für 15 Minuten eingewirkt werden. Das Perückenhaar behält durch diesen Vorgang seine Geschmeidigkeit, glänzt frisch und die Oberfläche wird antistatisch. Nach dem Bad sollte der Balsam nicht extra abgespült werden.

Um die Haarperücke zu trocknen, reicht ein einfaches Handtuch aus. Mit diesem sollte das Wasser ganz vorsichtig aus dem Haarersatz herausgedrückt werden. Anschließend kann er wieder auf rechts gedreht werden und ausgeschüttelt werden. Um die Haarperücke an der Luft trocknen zu lassen, ist ein Kopf aus Styropor sehr gut geeignet. Handelt es sich um eine sehr füllige Frisur, bei der das Haar am Oberkopf stark steht, kann die Haarperücke auch kopfüber zum Trocknen positioniert werden. Geföhnt werden sollte der Haarersatz unter keinen Umständen. Anschließend kann das Styling wie gewohnt durchgeführt werden.

Beim Schwimmen sollte darauf geachtet werden, dass die Haarperücke möglichst nicht nass wird. Getaucht werden kann mit einem Haaransatz nur schlecht. Wird die Perücke doch einmal nass, sollten die generellen Regeln und Hinweise zur Trocknung beachtet werden.

Titelbild: @ depositphotos.com / Y-Boychenko

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